Von Hammerfest fahren wir zunächst nach Akkarfjord. Dort gibt es neben einem soliden Gästepier auch einen wunderschönen Sandstrand, der in eine Dünenlandschaft eingebettet ist. Wir schnüren unsere Wanderschuhe und machen uns auf den Weg. Nach einigen Kilometern Straße geht der Weg in Schotter über und wir erreichen bald den Strand und die beeindruckenden Gesteinsformationen ringsherum. Der Strand ist wunderbar weiß, einsam, das Wasser türkisblau. Wir bummeln bis zum Ende und wandern dann durch die Dünen zurück. Ansonsten ist Akkarfjord einfach idyllisch ruhig. Die Postkartenmotive norwegischer Dörfer sollten sich aber noch steigern.
Die nächste Etappe führt nach Gjesvær, 7 Seemeilen südwestlich vom Nordkap auf der Insel Magerøya. Diese ist ihrem Namen und ihrer Lage entsprechend sehr karg, Steinformationen und niedriger Bewuchs prägen die Landschaft. Gjesvær ist ein Fischerdorf wie aus dem Bilderbuch, und verfügt zudem über mehrere vorgelagerte Vogelschutzgebiete auf kleinen Felseninseln.
Eigentlich wollten wir am folgenden Tag eine Bird Safari machen, aber der vorhergesagte Wind eignet sich gut für eine Umsegelung des Nordkaps, während die Tage danach schwierig werden würden. Also brechen wir gleich am nächsten Morgen zum nördlichsten Ziel unserer Reise auf. Es ist bedeckt, aber wir haben guten Wind und können das Kap unter Segeln passieren. Man sieht das Denkmal von unten und außerdem natürlich Touristen. In der Ferne können wir ein paar Buckelwale ausmachen, die aber fotoscheu sind.
Die Nordkapklippe ragt rund 300 Meter senkrecht aus dem Meer und bildet ein gewaltiges Plateau. An der Ecke streckt sich die Hørnvika empor, ein markanter steinerner Zacken. Die Kapeffekte im Blick biegen wir in Richtung Skarsvåg ein und erreichen bald das nördlichste Fischerdorf Norwegens. Der Himmel reißt auf und so haben wir hier auch eine Postkartenkulisse.
Da es so schön ist, wandern wir noch zur Kirkeporten, einer Felsformation mit einem natürlichen Loch, durch das man das Nordkap sehen kann. Die Landschaft ist spannend, ein bisschen wie auf dem Mond, aber mit viel frischem Grün. Und die Felsformationen sind atemberaubend, so wie der Blick durch die Kirkeporten, das „Kirchenportal“.
Am nächsten Tag ist Nebel angesagt. In Skarsvåg ist es noch frei und klar, doch weiter oben in Richtung Nordkap hängen dichte Nebelbänke. Wir legen die 14km mit 300m Höhenunterschied mit dem Fahrrad zurück. Es geht stetig bergauf, und auch der Wind bläst uns kräftig ins Gesicht. Ohne die Unterstützung unserer Akkus hätten wir viel Mühe gehabt, oben anzukommen. Auch so ist es anstrengend wegen der Kälte durch den Wind und die wirklich fiesen Nebelschwaden .
Viele Wohnmobile fahren an uns vorbei und wir überholen einige andere Radfahrer, die keine elektrische Unterstützung haben. Oben angekommen ist es sonnig aber der Wind bläst kräftig. Wir verkneifen uns das Besucherzentrum ob des absurden Preises und gehen gleich zum Denkmal vor, um die obligatorischen Fotos zu machen. Spannend ist die Nebeldecke, die über dem Meer hängt. Da hätten wir nicht durchsegeln wollen!
Wir treffen noch ein Schweizer Pärchen, das wir vorher überholt hatten. Die beiden sind mit normalen Rädern und Gepäck unterwegs, und waren zurecht stolz, oben angekommen zu sein. Nach einem ausführlichen Schnack rüsten wir uns für die Abfahrt. Wieder geht es durch die Nebelbänke und der Wind hat gedreht und bläst uns jetzt von der Seite kalt an. Aber bergab geht ja schneller und so sind wir bald unten und sehen mit Freuden, dass Skarsvåg nebelfrei und sonnig ist.
Nach einer kurzen Erholungspause folgt das zweite Highlight des Tages: das Königskrabben-Dinner im Weihnachtshaus. In der geschmückten Hütte mit viel weihnachtlicher Handwerkskunst und Strickwaren gibt es nach Voranmeldung die Möglichkeit, diese Köstlichkeit zu einem erschwinglichen Preis in rustikaler Umgebung zu genießen. Schon bald steht eine große Schale mit langen Beinen vor uns und wir gehen mit Schere und Besteck ans Werk. Man muß etwas arbeiten, aber das Fleisch ist einfach köstlich!
Für den nächsten Tag hoffen wir, dass sich der Nebel verzogen hat. Wir wollen zurück nach Gjesvær um unsere Vogelsafari nachzuholen. In der Tat ist es ausreichend klar und wir machen uns früh auf den Weg. Die Safari startet mittags, deshalb legen wir bereits um sieben Uhr ab. Wieder geht es rund ums Nordkap. Die entgegengesetzte Fahrtrichtung verändert die Perspektive, und bei etwas Sonnenschein wirkt alles noch einmal anders.
Pünktlich um 10:30 Uhr erreichen wir Gjesvær und haben genug Zeit, um Anori zu versorgen und uns auf die Vogelsafari vorzubereiten. Dabei kommt das große neue Teleobjektiv zum Einsatz. Es ist zwar nicht besonders handlich, aber die Bilder sind bestechend. Wir sehen Papageitaucher, Trottellummen, Nordalke, Seeadler, Gryllteiste und verschiedene Möwenarten. Als krönender Abschluss der Tour räkelt sich noch eine Gruppe Kegelrobben auf den Felsen. Eine Tour, die sich lohnt.
Nach dem Abendessen machen wir noch eine Wanderung zur Lilletuva. Wir steigen nicht ganz auf, aber gehen bis zu einem Aussichtspunkt, von dem aus wir die Vogelfelsen, die umliegenden Inseln und Gjesvær überblicken können. In der Abendsonne ist die Stimmung wieder wunderschön. Gjesvær steht auf der Liste der schönsten Fischerdörfer ganz weit oben.
Am nächsten Tag verabschieden wir uns endgültig vom Nordkap und machen uns etwas wehmütig auf den Rückweg. Der nördlichste Punkt unserer Reise liegt hinter uns. Doch Norwegen ist voller Schönheit und so sind wir sicher, noch viele spannende Entdeckungen vor uns zu haben.
























































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