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Alta und die Lyngenalpen

Zeitraum: 7. - 16. Juni 2026   Distanz: 248 sm

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Über Akkarfjord fahren wir nach Alta tiefer in die Finnmark. Wir möchten etwas mehr in die Kultur der Samen eintauchen. In Urnesbukta etwas außerhalb von Alta finden wir einen Liegeplatz zwischen vielen Fischerbooten.

Der Morgen ist sehr warm und die Sonne scheint vor einem wolkenlosen Himmel. Leider müssen wir zunächst die Grauwasserpumpe reparieren. Derweil Klaus werkelt, wird Anori geputzt und eine Maschine Wäsche gewaschen. Anschließend laden wir die Fahrräder aus, um in die Stadt zu fahren. Die nächste wenig schöne Überraschung: eines der Räder hat einen Platten. Mit Mühe machen wir den Mantel herunter, aber ein Loch im Schlauch lässt sich nicht finden. Trotzdem fährt Birgit mit dem anderen Fahrrad in die Stadt und besorgt einen Ersatzschlauch. Nachdem dieser glücklich eingesetzt ist, können wir endlich los.

Nach einer kurzen Runde durch die überschaubare Stadt prüfen wir die lokale Restaurantszene und stoßen auf ein Restaurant der Samen. Wir strampeln die 4 Kilometer dorthin und genießen ein typisches Dinner mit Gerichten aus Rentierfleisch. Die Familie, die es betreibt, bietet auch verschiedene Touren und Führungen an und wir wollen an einer Rentierfütterung teilnehmen.

Der nächste Tag ist allerdings für eine längere Radtour verplant. Zunächst besichtigen wir die Nordlichtkathedrale in Alta, ein eindrucksvolles, modernes Bauwerk mit toller Atmosphäre.

Danach geht es zum Alta Museum. Neben den Ausstellungen beeindruckt vor allem die große Anzahl von Felsritzungen, die zum UNESCO- Weltkulturerbe gehören. Über einen langen Holzsteg sind die Fundstätten zugänglich. Bei bestem Wetter schauen wir uns die Ritzungen, die teilweise gefärbt und bis zu 7.000 Jahre alt sind, in Ruhe an.

Nach einem kurzen Mittagessen geht es weiter Richtung Kåfjord-Brücke. Mittlerweile haben sich dicke Regenwolken zusammengezogen und kurz bevor wir die Brücke erreichen, fängt es an zu schütten. Wir stellen uns beim Tirpitz-Museum unter, fahren aber zu früh wieder los. Es erwischt uns dann heftig und wir werden ordentlich nass. Zum Glück kommt anschließend die Sonne zurück, sodass wir bei unserer Rückkehr zu Anori fast schon wieder trocken sind.

Für den nächsten Morgen haben wir die Rentierfütterung gebucht. Ein traditionell gekleideter Same stellt uns die Tiere, und auch die Lebensweise der Samen vor. Er nimmt sich viel Zeit und so erhalten wir doch noch einen kleinen Einblick in die samische Kultur und Tradition.

Besonders interessant sind die Einblicke in die traditionelle Rentierhaltung. Jedes Tier gehört einer Familie und wird durch individuelle Kerben an den Ohren gekennzeichnet. Anhand dieser Markierungen können die Besitzer ihre Tiere auch in großen Herden eindeutig erkennen.

Unser Guide erzählt außerdem von den saisonalen Wanderungen der Rentiere. Früher mussten die Tiere im Frühjahr zu den vorgelagerten Inseln schwimmen, wo sie den Sommer verbrachten. Heute werden sie mit einem speziellen Boot transportiert, was für Mensch und Tier deutlich einfacher ist. Dennoch bestimmen die Wanderungen der Herden bis heute den Jahresrhythmus vieler samischer Familien.

Auch das traditionelle Leben der Samen wird anschaulich erklärt. Wir besichtigen ein Lavvu, das typische Zelt der Samen, das sich schnell auf- und abbauen lässt und damit ideal für ein Leben im Rhythmus der Rentierwanderungen war. Beeindruckend finden wir, wie konsequent alle Teile eines Rentiers genutzt wurden. Fleisch diente als Nahrung, die Felle lieferten warme Kleidung und Decken, aus Geweihen und Knochen wurden Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände hergestellt. Verschwendung konnte man sich in der rauen Natur des Nordens nicht leisten.

Nach fast zwei Stunden verabschieden wir uns mit dem Gefühl, weit mehr über die samische Kultur erfahren zu haben, als wir ursprünglich erwartet hatten.

Mittags legen wir ab. Schon bald geraten wir in die nächsten kräftigen Regenschauer, begleitet von drehenden Winden. Schließlich bergen wir die Segel und müssen den Rest des Weges nach Øksfjord motoren, da der zunehmend schwache Wind direkt von vorn kommt.

Bei Regen legen wir in Øksfjord an einem klapprigen Kopfsteg an und es sieht Alles ziemlich trüb aus. Als später die Sonne herauskommt, zeigt der Ort jedoch sein freundlicheres Gesicht. Besonders die Mitternachtssonne taucht die Häuser am Hang und den Hafen in ein warmes, goldenes Licht. Am nächsten Morgen können wir am Hauptpier auch noch Frischwasser bunkern. Mit vollem Tank brechen wir zu unserem nächsten Ziel auf – unserer ersten geplanten Ankerbucht der Reise.

Der Wind ist frisch und wir können gut segeln. Laut Wettervorhersage wird der Wind allerdings in der kommenden Nacht und dem frühen Morgen deutlich zunehmen, so dass wir doch lieber in Skjervøy an den Pier gehen. Im Hotel Maritim müssen wir ewig auf das Abendessen warten, dafür ist es dann gut und reichlich und wir müssen nichts bezahlen, weil die Köchin unsere Bestellung vergessen hatte.

Wie angekündigt tobt draußen bis zum Mittag des nächsten Tages der Wind mit Starkregen. Anschließend machen wir uns auf den Weg nach Lyngseidet, einem kleinen Ort an den Lyngenalpen. Diese wollten wir schon einmal besuchen, aber da spielte das Wetter nicht mit. Auch dieses Mal ist es meist bedeckt.

Trotzdem brechen wir am nächsten Morgen zu einer Radtour zum Jægervatnet auf, einem der schönsten Seen in Nordnorwegen. Leider hängen die Spitzen der Berge ringsrum in den Wolken, und wir müssen auch ordentlich gegen den kalten Wind anfahren. Am See angekommen machen wir noch eine kleine Wanderung auf den Storbakk mit Blick auf den See und die umliegenden Berge. Ein bisschen öffnet sich die Wolkendecke und Licht fällt auf die wunderschöne Landschaft.

Nach rund 68 Kilometern auf dem Fahrrad und vier Kilometern zu Fuß kommen wir recht müde, aber zufrieden bei Anori an.  Nach einem kräftigen Abendessen mit Räucherlachs, den wir unterwegs an einem Privathaus gekauft haben, sehen wir uns das WM-Eröffnungsspiel der deutschen Fußball Nationalmannschaft gegen Curacao an. Zum Spiel gesellt sich ein unangenehmer Schwell durch den Ostwind und Anori schaukelt fröhlich am Pier. Deutschland gewinnen und der Schwell beruhigt sich etwas, so dass wir dann in Ruhe schlafen können.

Den Aufstieg über die Sherpatreppe sparen wir uns am nächsten Morgen. Die Wolken hängen tief in den Bergen und verdecken die Gipfel. Stattdessen genießen wir einen ruhigen Start in den Tag und bereiten uns auf die nächste Etappe unserer Reise vor.

Nach anfänglichen Motoren können wir oben im Lyngenfjord gut segeln und fahren bis Lenangsøyra, einem winzigen Fischerort mit Garnelenfabrik. An deren Pier können wir anlegen und die absolut windstille Nacht gut verbringen. Die Sonne kommt komplett heraus und die Wolken lösen sich auf. Der Blick auf die Berge ist atemberaubend im warmen Abendlicht; so haben wir die Lyngenalpen doch noch gut erleben können. Am nächsten Tag segeln wir bei gutem Wind nach Tromsø.

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