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Senja

Zeitraum: 11. -19. Mai 2026   Distanz: 100 sm

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Von Andenes fahren wir in den Süden Senjas zum Senjafjordhotel nach Frovåg. Während der Überfahrt bemerken wir zahlreiche Schiffe der Marine, die offenbar die Aktivitäten der Raketenbasis auf Andøya überwachen. Für die Region zwischen Andøya und Senja gilt in diesen Tagen sogar ein Nachtfahrverbot.

Im Senjafjordhotel, das derzeit von Deutschen geführt wird, fühlen wir uns sofort wohl und genießen ein gutes Abendessen im Restaurant. Nebenbei laufen Waschmaschine und anschließend der Trockner – unser Wäschemalheur ist damit schnell behoben.

Am nächsten Tag regnet es ausgiebig und ohne Unterlass. Das bedeutet: Arbeiten auf dem Boot. Zwischendurch zieht eine Herde Rentiere – unsere ersten überhaupt – durch die Anlage und verschwindet schließlich in den Hügeln hinter dem Hotel. Außerdem beobachten wir die zahlreichen Angelboote, deren Crews ihren reichen Fang direkt am Kai verarbeiten.

Am folgenden Tag steht die Dronningruta auf der Halbinsel Stonglandseidet auf dem Programm. Mit dem Dinghy fahren wir nach Hofsøya zum Bygdemuseum und verzurren es an einem nahegelegenen Steg. Menschen sind keine zu sehen, und auch das Museum hat geschlossen. Nach einer ausgedehnten Mittagspause bringt uns der Bus pünktlich zum anderen Ende der Wanderroute.

Die Wanderung entlang der Küste begeistert uns sofort: auf der einen Seite ein spektakuläres Bergpanorama, auf der anderen moorige Küstenlandschaften mit niedriger Vegetation. Nach drei Stunden voller Eindrücke erreichen wir wieder Anorikuluk und fahren zurück zum Hotel.

Frischer Ostwind erleichtert uns am nächsten Morgen den Abschied vom Senjafjordhotel, und wir segeln die Westküste Senjas hinauf. Die Bergkulisse ist kaum in Worte zu fassen. Mit den Bergen kommen allerdings auch starke Fallböen, Winddreher und Flautenzonen – das Segeln wird anspruchsvoll. Bei ablandigem Wind und kräftigen Böen gelingt es uns erst im zweiten Anlauf, Anori in Hamn i Senja sicher an die Pier zu bringen. Nachdem alles ordentlich vertäut ist, genießen wir die eindrucksvolle Umgebung und gönnen uns anschließend einen wunderbaren Skrei im Restaurant des Resorts.

Bevor es am nächsten Tag weitergeht, erkunden wir die Gegend bei einer Wanderung zum Trailhead des „Hausbergs“ von Hamn i Senja, dem Sukkertoppen. Atemberaubende Aussichten eröffnen sich in alle Richtungen. Ja, Hamn i Senja ist durchaus touristisch – aber eben auch ein ganz besonderer Ort in spektakulärer Lage.

Den restlichen Wind des Tages nutzen wir für die Weiterfahrt nach Senjahopen im Mefjord. Auch auf diesem Schlag kämpfen wir wieder mit sehr wechselhaften Windverhältnissen: reffen, ausreffen, Motor an, Motor aus – ein ständiges Wechselspiel. Schließlich laufen wir in den geschützten Hafen von Senjahopen ein und machen am soliden Gästesteg fest. Die hohen Berge ringsum nehmen uns bereits gegen 21 Uhr die Sonne, dafür liegt der Hafen wunderbar geschützt.

Am nächsten Tag packen wir zum ersten Mal die Fahrräder aus. Bis auf einige Stockflecken an den Taschen haben sie den Winter gut überstanden. Zunächst geht es zum Einkaufen in den örtlichen Matkroken, anschließend transportieren wir unsere Beute mit den Rädern zurück zum Boot. Danach fahren wir weiter nach Mefjordvær, einem touristisch gut erschlossenen Fischerdorf etwas weiter nördlich im Fjord. Dort unternehmen wir eine kurze, aber schöne Wanderung auf den Berg Knuten und zum Leuchtturm. Ein später Lunch in der Speiseri der Mefjordbrygge rundet den Besuch ab.

Zurück in Senjahopen haben wir inzwischen Stegnachbarn bekommen: Ein Boot aus der Schweiz hat festgemacht, und schnell kommen wir ins Gespräch. Man hilft sich gegenseitig mit Wasserschläuchen, Shampoo und Informationen und tauscht Erfahrungen sowie Pläne für die kommende Saison aus. Noch begegnen uns insgesamt nur wenige andere Boote – umso schöner sind solche Begegnungen.

Am folgenden Tag bleiben wir wegen des angekündigten starken Windes noch in Senjahopen. Der Himmel ist bedeckt, größere Wanderungen ergeben daher wenig Sinn. Am frühen Nachmittag lockert es etwas auf, und wir laufen vor zum Fjord, um den Blick auf die gegenüberliegende Bergkette mit Segla und Hesten zu genießen. Beide Gipfel sollen Ziel unserer nächsten Wanderung werden.

Schließlich brechen wir auf, um einen Fjord weiter nach Fjordgård zu fahren, dem Ausgangspunkt der Wanderung. Unterwegs angeln wir noch einen Kabeljau für das Abendessen. In Fjordgård finden wir allerdings keinen ausreichenden Platz am Steg und fahren deshalb weiter nach Husøy – einem reinen Fischerort mit entsprechendem Hafenbetrieb. Nach kurzer Rücksprache liegt Anori schließlich sicher zwischen großen Fischkuttern am Pier.

Inzwischen geht die Sonne nicht mehr unter, und selbst spätabends ist der Blick auf die umliegende Bergwelt überwältigend. Für unsere Wanderung haben wir Kaiserwetter gebucht. Mit dem Dinghy fahren wir zurück nach Fjordgård zum Trailhead des Hesten und machen uns an den Aufstieg.

Der Weg ist mit zwei Kilometern zwar kurz, führt aber über mehr als 500 Höhenmeter steil bergauf. Schneereste und Matsch erschweren das Gehen zusätzlich. Dazu kommen einige sehr steile Passagen, teils über loses Geröll – nichts für Menschen mit Höhenangst. Schon während des Aufstiegs eröffnen sich immer wieder grandiose Ausblicke auf den Segla und die umliegenden Berge.

Oben angekommen verschlägt uns die Aussicht endgültig den Atem. In alle Richtungen ragen die Berge Senjas steil aus dem Meer empor, viele bis zu 1000 Meter hoch und teilweise noch schneebedeckt – alles unter einem strahlend blauen Himmel.

Beim Abstieg spüren wir deutlich unsere noch ungeübten Muskeln. Mit dem Dinghy fahren wir die zwei Meilen zurück nach Husøy und sind uns einig: Diese Wanderung war etwas ganz Besonderes und ein perfekter Abschluss unseres Aufenthalt auf Senja.

Nach einem deftigen Abendessen fallen wir schließlich müde in die Kojen.

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