Am 29. April stechen wir endlich wieder in See. Der Wind bläst frisch aus Südost, und so setzen wir zügig Segel. Endlich wieder auf dem Wasser. Die Wellen haben es in sich, und mit dem achterlichen Seegang wird die Überfahrt über den Westfjord ziemlich ruppig. Nach gut acht Stunden laufen wir in Svolvær ein. Wie in den Hafenführern beschrieben, sind im Gästehafen viele Plätze für kommerzielle Tourenanbieter reserviert. Trotzdem steuern wir einen solchen Platz an. Ein netter Norweger im Hafen – vor allem besorgt um unser schönes Boot und darum, dass die Fender tiefer hängen sollten – meint, wir könnten vorerst dort liegen bleiben. Es sei ja noch reichlich Platz frei.
Wir ahnten nicht, dass es doch einige Tage mehr in Svolvær werden würden. Über Nacht hat es geschneit, und laut Windy sind die Bedingungen im Raftsund für die kommenden Tage ungeeignet zum Weiterfahren. So igeln wir uns auf Anori ein. Gelegentlich gehen wir von Bord, erledigen Einkäufe und erkunden ein wenig die Umgebung. Die schönste Wanderung führt uns zur Molo-Statue an der Hafenmole. Dabei kommen wir auch an den typischen Trockengestellen für Kabeljau vorbei, an denen allerdings fast nur noch Köpfe hängen.
Erst am 4. Mai können wir endlich in Richtung Trollfjord und Raftsund aufbrechen. Wind und Strömung passen, und so segeln wir zum Trollfjord. Unterwegs begegnet uns eine Gruppe Orcas, die jedoch schnell wieder in der Ferne verschwindet. Der Trollfjord liegt unter schweren Wolken und wirkt im weißen Gewand beinahe unwirklich. Ein Weißschwanzseeadler steigt über den Berghängen auf, ansonsten bleibt der Fjord still.
Am frühen Nachmittag müssen wir weiter, um die Strömung im Raftsund auszunutzen, statt gegen sie anzufahren. Mitlaufend schaffen wir unter Maschine über zehn Knoten. Unser erstes Ziel auf den Vesterålen ist Hennes. Am Gästepier unternehmen wir einen Anlegeversuch, stellen jedoch fest, dass der Steg für Anori zu kurz ist. Ein gutes nahegelegenes Ausweichziel ist Stokmarknes, wo wir am frühen Abend festmachen. Auch hier liegen wieder Fischerboote am Gästepier, und wir quetschen uns davor und prüfen kritisch die Wassertiefe. Unter 3,5 Metern fällt sie allerdings nicht.
Stokmarknes ist die Wiege der Hurtigrute, und das dazugehörige Museum beherbergt neben interessanten Fotos und Texten vor allem ein komplettes altes Hurtigroutenschiff: die Finnmarken 2. Wir schlendern durch die Kabinengänge, besuchen die Poststelle und gönnen uns im Speisesaal Sandwiches und Kuchen. Die Ausstellung macht eindrucksvoll deutlich, wie wichtig die Hurtigrute besonders für die Menschen in Nordnorwegen war: eine zuverlässige und regelmäßige Verbindung zum Rest des Landes für Waren, Pakete, Post und Passagiere.
Tags darauf strahlt die Sonne. Wir machen noch einen Abstecher über die Brücke bei Stokmarknes, um das Museum, das auch architektonisch spannend ist, von der anderen Seite zu betrachten. Danach fahren wir die kurze Strecke nach Sortland. Die „blaue Stadt“ wirkt selbst eher unspektakulär, bietet aber gute Einkaufsmöglichkeiten und rundherum ein tolles Bergpanorama, immer noch in weiß.
Als Nächstes geht es an die Nordspitze von Langøya nach Stø. Bei Regenschauern und heftigen Böen legen wir an. Einen richtigen Gästepier gibt es nicht, und so fragen wir einen Fischer, wo wir liegen können. Freundlich weist er uns einen Steg zu, und wir verholen Anori noch einmal. Kaum haben wir festgemacht, reißt die Wolkendecke auf und die Sonne kommt hervor. Das lässt hoffen für den kommenden Tag, an dem wir die Dronningsruta, die Königinroute von Stø nach Nyksund laufen wollen.
Morgens gibt es noch einen heftigen Schneeregenschauer, aber dann ist die Sonne für den Rest des Tages zuverlässig und taucht die wunderschöne Landschaft in ein strahlendes Licht. Als wir loswandern begegnen wir einem Paar, das gerade den Flaggenmast vor dem Haus stellt. Wir fassen kurz mit an und erfahren, dass heute, am 8. Mai, der Tag der Befreiung (Frigjøringsdagen) und der Veteranentag (Veterandagen) gefeiert wird und aus diesem Anlass die Flaggen gehisst werden. Außerdem raten sie uns vom Gebirgsteil der Wanderroute ab, da dort noch Schnee liegen könnte und auch vereiste Stellen möglich sind. So nehmen wir die Küstenroute. Auch diese reicht uns völlig mit 14km und 350 Höhenmetern. An der Kreuzung bei Nyksund haben wir eine wunderbare Aussicht und auch sonst ist die Strecke durch die Küstenlandschaft wunderschön.
Wir verlassen Stø und nehmen Kurs auf die nördlichste Stadt der Vesterålen, Andenes and der Nordspitze von Andøya. Bevor wir anlegen, machen wir noch eine Exkursion zum Bleikcanyon, um vielleicht Wale zu sichten. Aber entweder kreuzen wir nicht an der richtigen Stelle oder die Wale haben heute keine Lust. Unverrichteter Dinge fahren wir nach Andenes und finden einmal mehr den Gästepier mit Fischerbooten vollgepackt. Wir müssen den Hafenmeister bemühen, der uns einen Platz an der hohen Holzpier zuweist. Strom gibt es nicht, aber zumindest ist der Tidenhub nur 60cm so dass wir mit leicht lockeren Leinen gut zurechtkommen.
Am nächsten Morgen sieht die Welt wieder freundlicher aus, die Sonne scheint und Andenes präsentiert sich freundlich. Wir bummeln in die Stadt. Leider ist Sonntag und die meisten Geschäfte und Museen haben geschlossen. Erfreulicherweise ist das Polarmuseum geöffnet. Der junge Mann, der dort arbeitet, führt uns auch auf den Leuchtturm und bereitet später leckere Waffeln für uns zu. Wir schlendern anschließend noch etwas durch die Straßen und zum Wasser, um den Blick auf die benachbarte Insel Senja zu genießen.
Die Whale Watching Touren fangen leider erst am 15. Mai an, und so haben wir die Sehenswürdigkeiten von Andenes auf einem Sonntag dann bis zum frühen Nachmittag ausgeschöpft, zumal die Wolken die nächsten Schauer ankündigen. Wir dachten, wir könnten die Zeit nutzen, um schnell eine Maschine Wäsche zu waschen. Leider hat unsere Waschmaschine den Winter im Boot zu Wasser nicht gut überstanden. Beim Öffnen des Zulaufhahns läuft das Wasser gleich bis unten durch und auch die Elektronik will der Powertaste nicht gehorchen. Wir stellen die Hähne und Sicherungen aus. Klaus öffnet die Maschine und macht ein Dreiwegemagnetventil als Schuldigen aus. Dieses ist im Winter offensichtlich eingefroren und dann geplatzt. Statt den Nachmittag in Ruhe zu genießen, sind wir mit Wischen, Trocknen und technischen Arbeiten rund um die Waschmaschine beschäftigt. Ein Punkt mehr für die zukünftige Einwinterungsliste: die Waschmaschine mit Frostschutz füllen. Das Ersatzteil bestellen wir und lassen es an den TO-Stützpunkt in Tromsø schicken.
Unser nächstes Ziel ist damit ein Hafen mit Waschmaschine, um die halbfeuchten Sachen möglichst bald waschen zu können. Wir suchen uns das nahe gelegene Senjafjordhotell aus, das nur einen Katzensprung weg ist und verlassen die Vesterålen fürs Erste. Aber die Wale setzen wir noch auf die To-do Liste für später.



















































Leave a reply