Am 16. April fliegen wir endlich zurück nach Norwegen. Sieben Monate sind eine viel zu lange Zeit, um Anori alleine zu lassen. Mit Nils hatten wir jedoch einen sehr zuverlässigen Mann vor Ort, der regelmäßig Leinen und Fender kontrollierte und für unsere Sorgen und Nöte aus der Ferne immer ein offenes Ohr hatte.
Auch die automatische Überwachung von Bilge, Stromversorgung und verschiedenen anderen Parametern gab uns etwas innere Ruhe. Außerdem verfügt der Hafen von Bodø über zwei Kameras, auf denen wir Anori sehen konnten. Und trotzdem …
Der Winter hatte es in sich. Schnee gab es zwar mehrmals, jedoch nie in riesigen Mengen. Dafür machte die „Windy City“ Bodø ihrem Namen alle Ehre. Beim stärksten Sturm – noch dazu aus einer eher ungewöhnlichen Richtung, wodurch unsere Überlegungen, Anori vom Pier fernzuhalten, zunichtegemacht wurden – platzte einer der Kugelfender. Auch der Lack auf der Backbordseite litt erheblich unter der Dauerbelastung durch die Fender. Abgesehen davon ist Anori jedoch nichts passiert. Acht Fender und neun Leinen, teilweise mit Ruckdämpfern, verhinderten Schlimmeres.
Mit 140 Kilogramm Gepäck, verteilt auf sechs Gepäckstücke plus Handgepäck, wird bereits die Anreise zur logistischen Höchstleistung. Dafür begrüßt uns Bodø mit geradezu unnorwegischem Frühlingswetter: Sonne, zweistellige Temperaturen und kaum Wind.
Zügig machen wir uns ans Auswintern. Die Segel waren separat gelagert. Zusammen mit weiterer Ausrüstung holen wir sie aus unserem angemieteten Lagerraum und beginnen mit dem Anschlagen. Für die riesige Genua sind unsere französischen Bootsnachbarn von der Manava sofort bereit mit anzufassen. Besonders hilfreich ist dabei eine elektrische Kurbel für die Mastwinsch, mit der sich das Monster deutlich leichter in die Höhe hieven lässt.
Die Kutterfock hat einige Löcher im UV-Schutz, die wir vor dem Anschlagen ausbessern. Außerdem bekommt sie oben am Fall einen Softschäkel, da das Metall am Vorstagprofil gescheuert hat. Diese und viele weitere Tipps stammen von Nils, der zuvor einen professionellen Rigg-Check durchgeführt hatte. Das Großsegel hatten wir über den Winter angeschlagen gelassen und weit in den Mast eingezogen. Dort war alles in Ordnung.
Wir lassen Anori aus dem Wasser nehmen, um das Unterwasserschiff zu reinigen und das Antifouling zu erneuern. Außerdem kann die Werft die Lackschäden durch die Fender etwas aufpolieren. Kaum liegt Anori wieder im Wasser, schlägt das Wetter um: Auf den einsetzenden Regen folgt schnell Schnee. Nächtliche Temperaturen um die zwei Grad sind auf einem Boot alles andere als angenehm.
Die Außenarbeiten haben wir bis dahin im Wesentlichen erledigt. Nun stehen technische Arbeiten im Bootsinneren sowie Proviantierung und Innenreinigung an. Wir kommen gut voran, und Anori entwickelt sich schnell wieder zu unserem schwimmenden Zuhause.
Abgesehen von Vorbereitung und Bootsarbeiten machen wir nicht viel. Ein Burger-Essen mit Nils, frische Waffeln an der Bude bei Molokroken und das mehrfache Lauschen des Jubels aus dem nahegelegenen Fußballstadion von Bodø/Glimt sorgen für etwas Abwechslung während der Arbeit. Wir bleiben fokussiert, denn für den 29. April kündigt sich ein Wetterfenster mit südwestlichem Wind an – genau das, was wir brauchen, um weiter nach Norden zu fahren.
Der letzte Vorbereitungstag ist noch einmal vollgepackt. Wir nehmen das Dinghy in Betrieb, waschen drei Maschinen Wäsche in der Hafen-Facility, kaufen letzte Lebensmittel ein, räumen auf und bringen als Krönung den neuen Anori-Schriftzug an. Noch einmal Wasser bunkern, dann kann es losgehen.
Wir sind bereit für unsere Reise nach Norden.














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