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Über den Nordatlantik nach Island

Zeitraum: 06. - 17. Juli 2026   Distanz: 966 sm

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In Zusammenarbeit mit Wetterwelt in Kiel identifizieren wir ein Wetterfenster für die Überfahrt nach Island. Sie soll etwa fünf Tage dauern und natürlich möchten wir segeln und nicht unter Motor fahren. Drei Tage nach unserer Ankunft in Bodø soll es so weit sein. In der Vorbereitung machen wir Anori noch einmal sauber, waschen, kaufen ein und kochen warme Mahlzeiten für die Überfahrt vor. Wir montieren die Leesegel an den Betten. Der Preventer wird vorsorglich angeschlagen und Motor und Rigg überprüft.

Am 6. Juli um 10 Uhr verlassen wir Bodø mit Kurs auf Island. An der Tankstelle in Bodø haben wir noch einmal vollgetankt und dann geht es los. Die ersten vier Stunden müssen wir noch unter Motor fahren, aber dann werden die Segel gesetzt, obwohl der Wind noch schwach ist. Es regnet gelegentlich, sonst ist alles ruhig. Wir starten unseren Wachrhythmus am ersten Abend. Alle 4 Stunden wird gewechselt. Unsere Heizdecke hilft dann beim Einschlafen, wenn man in die Koje kriecht. Gegen Morgen des ersten Segeltages wird der Wind stärker und die See ruppiger. Wir reffen und setzen später das kleine Vorsegel bei Windstärke 5 bis 6 Bft. Die See baut sich unangenehm auf, Wellen bis zu 3 m treffen uns bei Halbwind. Dafür kommen wir gut voran. Am dritten Tag lässt der stramme Südwestwind etwas nach und dreht westlich und damit vorderlicher, so dass wir stärker am Wind segeln müssen. Nach 327 Seemeilen fahren wir eine erste Wende! In der dritten Nacht nimmt der Wind gegen Morgen zu und wir reffen erneut. Leider wird auch die See wieder rauer und wir bremsen Anori so ein, dass wir nicht ständig in die Wellen krachen.

Am frühen Nachmittag des vierten Tages kommt Land in Sicht. Die Sturmvögel, die uns den ganzen Weg treu begleitet haben, werden von Tölpeln abgelöst. Da der Wind weiter auf West dreht, wenden wir ein zweites Mal auf dieser Passage. Damit fahren wir direkt nach Süden, geraten aber auch in den Windschatten Islands. Nach 623 gesegelten Seemeilen muss unser Motor wieder ran. Es sind noch rund 80 Seemeilen bis Seydisfjördur. Kurz nach Mitternacht isländischer Zeit legen wir am Pier an. Wir versorgen Anori und fallen anschließend erschöpft, aber stolz in die Kojen.

756 Seemeilen liegen hinter uns. Es war streckenweise ziemlich ruppig, aber Anori meistert den Seegang souverän und wir wurden glücklicherweise auch nicht seekrank. Regelmäßige Mahlzeiten, zwischendurch Stullen aus Klaus’ Brot und viel Tee haben geholfen, die Tour gut zu überstehen.

In Seydisfjördur fühlen wir uns sehr willkommen. Der Hafenmeister bemüht sich sehr, alle Wünsche zu erfüllen. Und auch die Mitglieder des örtlichen Golfclubs tun alles, um uns glücklich zu machen. Wir schlafen viel, schauen uns mit dem Gufufoss und dem Búðareyrarfoss die lokalen Wasserfälle an und spielen eine Runde Golf auf dem netten Platz.

Unser nächstes Ziel ist ein sicherer Hafen, an dem Anori knapp zwei Wochen liegen kann, während wir mit Ole eine Autorundreise unternehmen. Unsere Stegnachbarn empfehlen uns Akureyri im Norden von Island als sicheren und einigermaßen geschützten Hafen auch für ein größeres Boot. Wegen der vorhergesagten Wetterlage müssen wir leider schon nach zwei Tagen wieder aufbrechen bevor stärkerer Westwind die Reise erschwert. Also wieder Leesegel montieren und die Vorbereitungen für eine zweitägige Fahrt treffen.

Wir segeln mittags nach unserer Golfrunde los. Ein paar Winddreher erschweren die Ausfahrt aus dem Fjord von Seydisfjördur. Wir sollten uns noch nach ihnen zurücksehnen, denn den größten Teil der rund 200 Seemeilen mussten wir mangels Wind unter Maschine fahren. Einzelne Versuche, zu segeln scheitern schnell am kläglichen Wind. Dafür sehen wir mehrfach Delfine und Orcas und drehen eine Extrarunde an den Vogelfelsen vor Langanes mit großer Tölpelkolonie und Dreizehenmöwen.

Am Abend des zweiten Tages biegen wir in den Eyja Fjord, Islands längsten Fjord ein. Nun sind es noch 30 Seemeilen bis Akureyri. Der Wind ist zunächst noch schwach und kommt von vorn. Etwa auf halber Strecke nimmt er erstaunlicherweise stetig zu. Bald wehen uns bis zu 25 Knoten auf die Nase. Er variiert und wir hoffen, dass zum Anlegemanöver in Akureyri alles wieder ruhig ist. Aber weit gefehlt! Unser angepeilter Liegeplatz ist frei, doch das Anlegen wird nicht einfach bei rund 25 Knoten und ordentlich Schwell. Schließlich liegen wir am Schwimmsteg und versuchen, alle vorhandenen Fender zwischen Anori und den Steg zu quetschen. Noch ein paar Leinen und dann können wir endlich ausschlafen.

Während draußen der Wind noch zwei Tage lang tobt und immer wieder Schwell in den Hafen drückt, schauen wir im Hafenbüro vorbei und regeln alles Notwendige. Dann schauen wir uns Akureyri an, eine lebendige und hübsche Stadt mit alten Häusern, einer quirligen Fußgängerzone und einem botanischen Garten. Im örtlichen Golfclub buchen wir eine Abschlagzeit für den Tag nach unserer Rückkehr. Am Abend vor unserer Abfahrt holen wir unser Mietauto ab und können somit am kommenden Tag starten.

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