Am 12. Juli verließen wir Stockholm und fuhren durch die weitläufigen Stockholmer Schären in Richtung Arholma. Zunächst musste die Maschine ran, dann konnten wir Segel setzen und bis zur Ankerbucht segeln. Die erste Ankerbucht, die wir ansteuerten, war bereits belegt, die zweite erschien uns zu eng und flach. So fuhren wir denn in Arholma ein und ankerten dort. Dies sollte die letzte Nacht vor unserer langen Fahrt nach Höga Kusten sein. Leider war der Wind nachts weiterhin recht lebhaft, Anori machte sich selbstständig und wir wurden vom Ankeralarm aus dem Schlaf gerissen. Bei Nieselregen fuhren wir den Anker erneut ein; er hielt dann auch bis zum Morgen.
Gegen Mittag holten wir den Anker auf und machten uns auf den Weg. Die Zeit war so gewählt, dass wir gemäß Routenplanung etwa am Morgen des 15. Juli in Docksta/Höga Kusten einlaufen würden. Wir würden auf überwiegend tiefen Kursen fahren; nicht gerade eine Spezialität von Anori.
Und es ging sehr gemächlich los; über Mittag mussten wir sogar noch den Motor zur Unterstützung bemühen. Am Nachmittag frischte der Wind auf. Wir bargen das Großsegel und segelten von da an fast ausschließlich unter Genua. Die erste Nacht war ruhig und klar und wir kamen gut voran. Auch der folgende Tag verlief ruhig und wir segelten weiter unter Genua. Gegen Abend setzten wir das Großsegel und die Kutterfock für den Amwindkurs, der den letzten Teil unseres Törns bestimmen sollte. Eine weitere wunderbare Segelnacht mit gutem Wind. Die Genua nahmen wir herunter, um nicht zu früh und noch im Dunkeln einzulaufen. Die Sonne kroch so gerade hinter den hohen Küstenbergen hervor als wir an unserem Ziel, dem kleinen Hafen von Docksta, festmachten. Da noch alle schliefen legten wir uns auch erst einmal in die Kojen.
Der Hafen von Docksta liegt in der Mitte der Höga Kusten und wird betrieben vom Tommaso De Rosa und seiner Frau Anna sowie seinem Bruder Michele. Italienische Gastfreundschaft im hohen Norden. Selten wurden wir so herzlich empfangen und zugleich so kompetent unterstützt.
Mittags machten wir eine Wanderung zum Besucher- und Informationszentrum für die Höga Kusten, dem Naturum. Hierbei handelt es sich nicht um ein Nationalparkzentrum, sondern um eine sehr interessante Ausstellung über die Region mit vielen spannenden Exponaten und Erklärungen zur Entstehung.
Die Höga Kusten zählt zum UNESCO-Weltnaturerbe und zeichnet sich durch eine der weltweit stärksten Landhebungen aus. Das Ergebnis ist eine Landschaft mit steilen Küsten, markanten Bergen und tief eingeschnittenen Buchten, in der Wälder, Fels und Meer auf engem Raum ineinandergreifen.
Das Naturum liegt am Fuß des Skuleberget. Da wir noch Kraft hatten und auch Bewegung nach einer längeren Zeit auf dem Boot gern genommen wird, bestiegen wir den Berg und genossen oben die großartige Aussicht.
Am nächsten Tag schüttete es wie aus Kübeln. So blieben wir auf dem Boot, putzten und werkelten ein bisschen und machten lediglich einen kurzen Ausflug zum nahegelegenen Supermarkt.
Tags darauf lachte die Sonne wieder vom Himmel und wir freuten uns auf ein Highlight der Region, den Skuleskogen Nationalpark. Mit dem Bus ging es zum Südeingang, von wo aus wir zu einer spannenden und abwechslungsreichen Wanderung aufbrachen. Zunächst führte der Weg am See entlang nach Näskebodarna. Über große Felsen und durch flache Büsche und Kiefern stiegen wir von dort zu den Tärnättvattnen auf und wurden für die Anstrengung mit einer fantastischen Aussicht belohnt. Weitläufige Buchten, begrenzt von steilen Felsen oder sanften Stränden, so weit das Auge reichte. Weiter ging es zur Slåttdalskrevan, einer Schlucht mit einem engen Durchgang, 200 m lang und 40m tief. Der Rückweg führte über den Slåttdalsberget wieder zum Südeingang, wo wir nur kurz auf den Bus warten mussten, der uns mit Zwischenstopp am Naturum zurück nach Docksta brachte. Die Infrastruktur für Wanderer zur Erkundung des Parks funktionierte ausgezeichnet.
Einen Tag später hatten wir Lust, Golf zu spielen und baten unseren Hafenmeister uns ein Taxi zum Veckfjärdens Golfklubb bei Örnsköldsvik zu buchen. Morgens regnete es noch, deshalb starteten wir am Nachmittag auf dem kniffeligen, aber wunderschönen Platz mit viel Wasser und spielten unsere bis dahin nördlichste Golfrunde auf 63,3° Nord. Das Taxi hin und zurück war sündhaft teuer, aber der Ausflug hatte sich gelohnt und wir beschlossen ihn mit einem großartigen Sonnenuntergang über dem Golfplatz.
Um unseren Radius zu erweitern, holten wir am nächsten Tag die Räder hervor und machten uns auf den Weg gen Süden um die Bucht herum über Ullånger und Mjällom nach Norrfällsviken, einem Küstenort mit Fischereihafen und offener Lage zur Bottensee, der ein typischer Teil der Höga-Kusten-Landschaft ist. Dort besuchten wir das Norrfällsvikens Naturreservat mit seinen gestreiften Kies- und Steinbändern, die frühere Strandlinien markieren und durch die Landhebung heute oberhalb des Meeres liegen. Gut, dass wir die Batterien unserer E-Bikes voll aufgeladen hatten: nach 84,2 km und 1.070 Höhenmetern kamen wir auf dem letzten bisschen Strom wieder in Docksta an.
Die Höga Kusten war wegen ihrer beeindruckenden Natur ganz sicher eines der Highlights dieser Reise.































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